Informatives über Land und Leute
Lage
Mit einer Gesamtfläche von rund 4.033 km² sind die Kapverdischen Inseln - neben den Azoren, Madeira und den Kanaren - eines der atlantischen Archipele, die zum sogenannten Makaronesien gehören. Die Inseln liegen 450 km vom afrikanischen Festland entfernt auf der Höhe des Senegal, zwischen dem 15. und dem 17. Grad nördlicher Breite. Sie faszinieren durch ihre Gegensätze zwischen den sechs mehr westlichen Inseln mit Gebirgscharakter (Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Santiago, Fogo und Brava) und den drei östlicheren (Sal, Boavista und Maio) mit ihren weiten Sandflächen und kilometerlangen Stränden. Kulturell und klimatisch lässt sich der Archipel in Barlavento- und Sotavento-Inseln unterteilen.
Zeitverschiebung und Klima
Der Zeitunterschied gegenüber Mitteleuropa beträgt zur europäischen Sommerzeit minus 3 Stunden, zur europäischen Winterzeit minus 2 Stunden. Wenn es im Winter beispielsweise in Berlin 12 Uhr mittags ist, ist es auf den Kapverden erst 10 Uhr morgens.
Das ganze Jahr über herrscht ein warmes, trockenes Klima mit nur seltenen Regenfällen. Die Niederschlagsmenge ist allerdings von Insel zu Insel sowie von Inselteil zu Inselteil sehr unterschiedlich. Die regenreichste Zeit herrscht im allgemeinen von August bis Oktober. Die Lufttemperaturen liegen auf Meereshöhe das ganze Jahr zwischen ca. 24°C und 30°C, die Wassertemperaturen schwanken zwischen etwa 20°C im Winter und 25°C im Sommer.
Natur & Tierwelt
Geologie
Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs und um die 50 Millionen Jahre alt. Der Boden des Atlantiks liegt um die Kapverden auf 5.300 m unter Meeresspiegel, so dass jede Insel die Spitze eines Berges darstellt. Die Feuerinsel Fogo hat den einzigen noch aktiven Vulkan (Pico de Fogo, 2.829 m). 1995 erfolgte der letzte Ausbruch durch einen Nebenkrater.
Flora
Aufgrund des für Pflanzen ungünstigen Klimas (die Regenzeit bleibt oft aus) gibt es auf den Inseln nur etwa 250 Pflanzenarten und keine geschlossene Walddecke. Mit den, durch die Siedler mitgebrachten, angepflanzten Arten ist die Anzahl auf ca. 850 gestiegen. Mit Ausnahme der Küsten- und Steilwandvegetation sind wegen Brennholzgewinnung, Ziegenbeweidung und Landwirtschaft heute oft nur noch Reste der natürlichen Vegetation vorhanden, da sie keine Zeit hatte, sich wieder zu regenerieren. Die Flora ist auf den Kapverdischen Inseln dennoch recht reich an endemischen Pflanzenarten. Ein Teil davon ist allerdings vom Aussterben bedroht. Etwa 80 endemische Arten, die an keinem anderen Ort der Welt existieren, gibt es auf den Kapverdischen Inseln. So zum Beispiel der „Dragoeiro“ (Drachenblutbaum), der „Figueira-Brabo“-Ficus oder die „Tamareira“-Palme.
Fauna
Auch die Tierwelt auf den Kapverden ist vergleichsweise artenarm. Alle Säugetierarten - bis auf die Fledermaus - sind vom Menschen eingeführt worden. Die vorherrschende Fauna auf den Inseln besteht aus kleinen Reptilienarten wie z.B. Geckos und Skinken, vielen verschiedenen Insekten und zahlreichen Käfer- und Spinnenarten. Hervorzuheben sind auch einige endemische Vogelarten, wie z.B. die Razo-Lerche. Insgesamt gibt es etwa 75 Vogelarten auf den Inseln.
Die Kapverdischen Inseln heben sich vor allem durch ihre reiche Meeresfauna hervor: In den Meeren um die Inseln leben verschiedene Tintenfische und Langustenarten, die zum Verzehr gefangen werden. Außerdem gibt es eine interessante Muschel- und Schneckenfauna. Heimisch sind hier Fischarten wie der Sägefisch (Serra), die Dorade und die Muräne. Saisonal trifft man Scharen an Thunfischen, Delfinen und Walen an. Einige vom Aussterben bedrohte Meeresschildkrötenarten legen an Land ihre Eier ab.
Vorteilhaft für Menschen ist das Fehlen jeglicher gefährlicher Tiere wie Giftschlangen oder Skorpione.
Bevölkerung
Auf den Kapverdischen Inseln leben etwa 450.000 Menschen. Die Bevölkerung besteht heute zu ca. 70 % aus Mulatten, 29 % Afrikanern und 1 % Weißen. Fast 70 % der Menschen leben auf dem Land, der Rest in den Städten Mindelo und Praia. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre. Der Bevölkerungswachstum liegt bei jährlich etwa 2,2%. Auffällig ist die Vermischung von Europäern und Afrikanern, die sich z.B. bei Menschen mit schwarzer Haut und blonden Haaren zeigt.
Emigration
Wegen immer wiederkehrender Hungersnöte in den letzten Jahrhunderten und dem noch heute herrschenden Mangel an Arbeit blieb und bleibt vielen Kapverdianern als einzige Alternative die Emigration. Im Ausland leben fast doppelt so viele Kapverdianer (etwa 700.000) wie auf den Inseln selbst. Viele versuchten in der Vergangenheit ihr Leben als Schiffsleute zu bestreiten, so dass es sie in die Häfen Rotterdams, Lissabons, Bostons und Massachusetts verschlug. Die Emigranten sind für die Wirtschaft von großer Bedeutung, da sie ihre zurück gebliebenen Familien mit Geld und Geschenken unterstützen. Ihre Devisen tragen einen Teil des Staatshaushaltes.
Gesellschaft und Familie
Immer noch ist auf den Kapverden die Familie der Mittelpunkt der Gesellschaft. Vor allem auf dem Land herrschen noch überwiegend traditionelle Familien- und Sozialstrukturen vor. Großfamilien leben gemeinsam mit mehreren Generationen unter einem Dach, und der Kinderreichtum ist groß. Kinder sind Teil der Gemeinschaft und werden als solche akzeptiert. Schon im jungen Alter fangen sie an, im Haushalt mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Die Form der Kernfamilie wie wir sie in Europa kennen gibt es auf den Kapverden infolge der enormen Mobilität der Kapverdianer allerdings selten. Vor allem Männer emigrierten und emigrieren auf andere Inseln oder ins Ausland. Infolgedessen gibt es auf vielen Inseln einen großen Frauenüberschuss. Die zurückbleibenden Frauen erhalten gleichzeitig einen wichtigen Status, sie erhalten die Familie und sorgen für sie und sich selbst. Mittelpunkt der Familie ist die Mutter, die für Ernährung und Erziehung sorgt; der Vater hat in dem Kontext eine geringere Bedeutung. Nicht selten hat eine Frau auf den Kapverden Kinder von unterschiedlichen Vätern. Eine alte Frau hat immer eine Familie um sich, die sie umsorgt, alte Männer dagegen erfahren bei ihren Nachkommen oft weniger Respekt - schließlich traten viele von ihnen nicht in ihrer Vaterrolle auf. Immer mehr Männer um die 40 Jahre suchen deshalb mehr und mehr die Sicherheit im Alter durch ein „Seßhaft-werden“ in der Familie. Natürlich gibt es auch auf den Kapverden Paare die zusammenbleiben und bei denen der Vater eine respektierte Rolle in seiner Familie hat. In den Städten gelten modernere Alltagsstrukturen: Es dominiert die Kleinfamilie. Oft sind beide Elternteile berufstätig.
In den letzten Jahren sind Geburtenrate und Kindersterblichkeit durch die Familienpolitik auf den Inseln stetig gesunken. Auch emigrieren heute mehr Frauen als früher. Auffällig ist es, dass Behinderte auf den Inseln bewusst nicht ausgegrenzt, sondern in die Gesellschaft integriert werden. Deshalb sieht es für Touristen manchmal so aus, als gebe es auf den Kapverden überdurchschnittlich viele Behinderte. Auch sonst gibt nur sehr selten Diskriminierungen, sei es eine religiöse oder bezüglich der Hautfarbe.
Eine gesellschaftliche Hierarchie gibt es nur in Bezug auf die Berufsgruppen: Zur Oberschicht gehören Beamte, Pensions- und Ladenbesitzer, Großgrundbesitzer und höhere Angestellte. Daneben arbeiten viele Kleinbauern und Fischer, von denen die meisten kein eigenes Land bzw. kein eigenes Boot besitzen, für Grund- oder Bootsbesitzer und erhalten dafür einen Teil der Ernte oder des Fangs. Im Dienstleistungsbereich finden Lohnarbeiter Beschäftigung. Auf jeder der Kapverdischen Inseln bildet sich ein eigener Kulturkreis mit verschiedenen Festen, Musik, Tänzen, etc. Auch fühlen sich Kapverdianer ihrer Heimatinsel sehr verbunden.
Bildung
Die kapverdischen Insel haben eine Schulpflicht von 4 Jahren. Familien, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder auf weiterführende Schulen oder später zum Studium zum Beispiel nach Portugal oder in die USA, wo sie meist bei Verwandten wohnen. Die Kapverden gehört zu den Ländern mit der höchsten Alphabetisierungsrate Afrikas.
Sprache und Verständigung
Amtssprache ist Portugiesisch. Die Sprache der Einheimischen ist das "Criolu" - eine Mischung aus Portugiesisch und einzelnen Vokabeln bzw. Dialekten aus afrikanischen Sprachen. Als Fremdsprache wird Französisch recht häufig verstanden. Englisch wird fast nur von ehemaligen Emigranten gesprochen, die als Geschäftsleute (Hoteliers etc.) wieder in Ihre Heimat zurückgekehrt sind.
Religion
96% der Bevölkerung sind römisch-katholisch. Die restlichen 4% verteilen sich auf verschiedene aus der USA stammenden Kirchen, gehören der anglikanischen Kirche an oder sind Anhänger von Naturreligionen.
Wirtschaft
Die Kapverden sind ein Entwicklungsland mit stark negativer Handelsbilanz: Insgesamt übersteigt der Import den Export etwa um das 10-fache. Das Bilanzdefizit wird durch internationale Hilfeleistungen ausgeglichen. Gründe hierfür sind folgende:
Noch nie konnten genug Nahrungsmittel produziert werden, um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren, denn nur ein Viertel des Bodens kann landwirtschaftlich genutzt werden, und die anhaltenden Dürreperioden in der Vergangenheit verschlimmerten die Situation. Somit müssen ein Großteil aller Nahrungsmittel eingeführt werden.
Ein weiteres großes Problem stellt die Stromversorgung dar. Da Cabo Verde über keine Energierohstoffe wie Kohle oder Erdgas verfügt, muss Erdöl teuer importiert werden. Deshalb sind auch heute noch die ländlichen Gebiete auf einigen Inseln zum Teil ohne Stromversorgung.
Ca. ein Drittel der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Rund 30 % sind im Handel beschäftigt, 25 % im Dienstleistungssektor. In der Industrie sind nur 5 % der Arbeitskräfte tätig, in der Fischerei nur 4 %. Etwa 45 % der Bevölkerung ist arbeitslos und lebt unterhalb der offiziellen Armutsgrenze.
Der kleine Inselstaat ist ein Entwicklungsland, der Lebensstandard liegt weit unter dem von Europa. Tourismus ist die große Hoffnung!
Die Einnahmen des Staatshaushalts kommen vor allem aus Devisenzahlungen der Emigranten und den Einnahmen des Flughafens auf Sal und denen der Häfen in Praia und Mindelo. Exportiert werden hauptsächlich Frischfisch, Langusten, Bananen und Thunfischkonserven. Zu den Hauptabnehmerländern zählen u.a. Portugal, Italien, Deutschland und die USA.
Hilfsgelder werden leider zum großen Teil in kostspielige technische Projekte investiert anstatt in den Ausbau der Infrastruktur. Inzwischen ist allerdings eine Regelung getroffen worden, die die Planung und Durchführung von Projekten vereinfachen soll. Dabei werden die Verantwortlichkeiten für einzelne Projekte direkt den Geberländern zugeordnet. So übernahm Deutschland z.B. die Durchführung von Entwicklungsprojekten auf den Inseln Fogo und Brava.

